Von Effizienz auf dem Desktop
Mal wieder hat mein Desktop-Wechsel-Sinus den Minimalismus-Quadranten erreicht und ich bin bei Awesome gelandet. Seit ca. einem Jahr verwende ich es auf der Arbeit, und auf meinem Netbook habe ich einen Tiling-WM (ja ich weiß, Awesome ist "nicht nur ein Tiling-Windowmanager") schätzen gelernt.
Treibender Motor des Wandels war in letzter Zeit das Gefühl, ständig mit etwas beschäftigt zu sein, das eigentlich der Window Manager (möglichst unbemerkt) übernehmen sollte: "Window Managing" ![]()
Dahingehend stimme ich mit der Philosophie der Awesome-Entwickler überein: meine Aufmerksamkeit sollte eigentlich möglichst vollständig den Anwendungen gelten, und nicht der Verwaltung von deren Fenstern.
Langsam aber sicher zieht sich jetzt unweigerlich und trotz intensiver Bemühungen von Gegenwirkung die Toolkit-Frage nach. Unter KDE hielten mich noch die sowieso geladenen Runtime-Bibliotheken bei QT-Anwendungen - dieser Vorteil ist nun nicht mehr da. Eine kurze Bilanz ist eigentlich eindeutig:
- Browser: Chromium --> GTK
- Mailclient: Thunderbird --> GTK
- IDE (selten): Eclipse --> GTK
- Audio Player: Clementine --> QT4
Als Filemanager könnte ich mir statt Dolphin genauso Thunar oder Nautilus vorstellen, mal testen. Die Kombination von XFCE-Komponenten mit Awesome hat mir schon in der Vergangenheit gut gefallen.
Zehn Finger – Tag 1
Am Anfang war die Maus
Meinen ersten Rechner bekam ich vergleichsweise spät, es war ein Pentium I mit 100 MHz, 1,19 GB Platte und vorinstalliertem Windows 95. Als die anderen schon wie wild auf den Tastaturen ihrer Ataris oder C64 rumhämmerten, machte ich gerade den ersten Kontakt mit einem solchen Eingabegerät - und nutzte natürlich vorrangig die (Kugel-)Maus.
Mein Eingabeverhalten entwickelte sich in den folgenden Jahren nur wenig weiter - typisch Windows-User eben: klick-orientiert. Erst als irgendwann das Netz (--> Chat) und Linux (--> Shell) in mein Leben traten, verschob sich der Fokus langsam Richtung Tastatur.
Mit Einstieg in die Programmierung und letztlich Umstieg auf Linux erreichte die Bewegung dann ihren Höhepunkt, und ich begann die Vorteile von Shortcut-Keys zu wirklich zu schätzen.
Als awesome-User (auf Arbeit und auf dem Netbook) und Bash-Liebhaber bringt mich heute natürlich nichts mehr von der Tastatur weg
System mit Problemen - Probleme mit System
Da ich nie einen Schreibaschienenkurs besucht habe, habe ich über die Jahre wie viele andere auch mein eigenes Tippsystem entwickelt, was in seiner letzten Ausprägung durchschnittlich zwei Finger pro Hand nutzt und mich mit den meisten 10-Finger-Tippenden im Chat problemlos mithalten lässt. Es hat allerdings auch zwei Nachteile: erstens nutze ich damit nicht alle Finger, was Ermüdungserscheinungen wahrscheinlich früher auftreten lässt, und zweitens muss ich beim Tippen oft auf die Tastatur schauen, was z.B. beim Abtippen von Text extrem bremst.
Gute Vorsätze und schnelle Rückfälle
Die Nachteile wahrnehmend wollte ich schon mehrfach "richtig" tippen lernen, einen Kurs machen o.Ä. Wer aber selbst schon mal in der Situation war weiß, dass es wesentlich schwerer ist, etwas, was man gut kann, nun plötzlich auf andere Weise zu tun, auf die man es anfangs sehr viel schlechter bewerkstelligt. Daran sind bisher alle Versuche gescheitert.
Die vergangenen vier Wochen habe ich nun den letzten Versuch und endgültigen Umstieg vorbereitet: da ein abrupter "kalter Umstieg" kaum praktikabel (Linux-Sysadmin ohne vernünftige Tipprate auf Konsole?) und deswegen wieder zum Scheitern verurteilt gewesen wäre, fahre ich nun ein zweiphasiges System:
Der Umstieg - endlich?
Phase eins umfasst das Durchlaufen der grundlegenden Lektionen des 10-Finger-Systems in täglichen Übungen à 30 Minuten. Die Zeit außerhalb der Übungen wird weiterhin nach altem System getippt. Das habe ich so lange praktiziert, bis ich eine Beeinträchtigung meines alten Systems durch das neue erkennen konnte (Kopfweh beim Üben, versehentliches Greifen der neuen Muster auch außerhalb der Trainingszeit). Erstaunlicherweise ging das viel länger glatt, als ich vermutet hätte - das Hirn kann überraschend gut umschalten
Heute lief Phase zwei an: der Umstieg in allen Texteingabe-Bereichen auf das neue System. Ab heute heißt es nun durchhalten...
Beim Training war mit übrigens KTouch ein unersetzlicher Begleiter. In Phase eins habe ich mit Deutsch in neun Stufen begonnen, und danach mit Deutsch vom Tipptrainer weitergemacht - zu Beginn von Phase zwei nun bei Lektion 26.
Die nächste große Herausforderung werden Passwörter und Quelltexte sein, die vor Sonderzeichen nur so strotzen...
Coffein-Entzug: Tagebuch
Tag 1
Interessanter Zustand: man wartet ständig auf den morgendlichen Kaffee, der die verbliebenen Dunstwolken vom Schlaf wegreißt, und einen im Wachzustand ankommen lässt. Erschreckender Weise kommt stattdessen leichtes Kopfweh auf - eine von vielen "Aussteigern" berichtete Entzugserscheinung.
Garnicht so einfach, sich vollständig von Coffein fernzuhalten: neben Kaffee verkneife ich mir nun auch: Eistee, Multivitamin-Drinks (gibts in der Mensa auch mit Coffein und Guarana), mein Lieblingskaugummi, [Biermischgetränk mit dem X] und Cappuccino-Müsli. *schnief*
Tag 2
<jammer>War ja irgendwie klar, dass ausgerechnet diese Woche auf dem Campus andauernd gratis Energy-Drinks verteilt werden... Ach und könnte bitte jemand das anhaltende Kopfweh abstellen? </jammer>
Tag 8 - Ergebnisse
Tja, nun sind die sieben Tage rum - ich habe sogar noch heute drangehängt. Die Ergebnisse weichen stark von meinen ursprünglichen Erwartungen ab: weder am Schlafverhalten noch am körperlichen Wohlbefinden hat sich eine signifikante Veränderung gezeigt, und ruhiger bin ich auch nicht gewesen. Aus der anderen Seite hatte ich (abgesehen von Kopfschmerzen am ersten Tag) keine der erwarteten Nebenwirkungen, die Kaffee-Junkies auf Entzug sonst beschreiben.
Ich nenne es ursprüngliche Erwartungen, weil ich mittlerweile erfahren habe, dass eine Woche bei Weitem nicht ausreicht, um eine völlige Umstellung in der Physis zu erzielen - es läuft also alles viel langsamer mit der Umstellung, als ich mir vorgestellt hatte.
Fazit: Die Woche war weder blanker Horror, noch ultimativ meditativ; ich werde in Zukunft, wenn mir mal wieder danach sein sollte, gern wieder eine solche Pause einlegen. Jetzt freue ich mich aber erst mal tierisch auf meinen Cappuccino morgen früh
Kalter Entzug
Nachdem in letzter Zeit meine tägliche Dosis Coffein durch Klausuren und Arbeit rasant gestiegen ist, zwinge ich mich nun zu der schon lange geplanten Auszeit: sieben Tage vollständiger Coffein-Entzug. Mal sehen, wie die Welt ohne den morgendlichen Kaffee aussehen wird...

(open)SuSE ist auch Linux
Meinen ersten intensiveren Kontakt mit einer Linux-Distribution hatte ich 2002 in einem MediaMarkt, wo ich fasziniert vor einer Packung "SuSE-Linux Professional 8.0" stand, die wenig später zuerst den Weg in meinen Einkaufskorb und dann auf meine Festplatte finden sollte. Voller Euphorie meinen Freunden von meiner neuen Entdeckung berichtend, wurde selbige nicht selten durch Kommentare wie "SuSE? Benutz doch mal ein richtiges Linux!" gedämpft.
Nach SuSE folgten dann Debian "Woody" und Mandriva (damals noch Mandrake), und ich konnte die Äußerung bzgl. SuSE immer besser verstehen. Spätestens bei Gentoo teilte ich dann vollends die gleiche Ansicht, und so blieb es all die Jahre.
Heute nutze ich Arch Linux als binary-basierte Distribution und Gentoo, wenn es minimal sein oder optimal angepasst werden soll.
In letzter Zeit kam ich vermehrt (anfangs ungewollt) mit openSuSE in Verbindung, hauptsächlich durch meine neue HiWi-Stelle als Linux-Admin in einem Forschungszentrum. Anfangs noch durch die über die Jahre gepflegten Vorurteile geprägt muss ich nun meine Meinung revidieren bzw. aktualisieren: openSuSE ist für mich eine moderne, durchaus brauchbare Distribution, die zwar nach wie vor den Fokus auf GUIs für jede Aufgabe legt, sich dadurch aber auch für weniger Terminal-süchtige User und Admins eignet.
Ich könnte es mir zwar nach wie vor nicht als Haupt-Distribution auf meinen Kisten vorstellen (dazu bin ich zu sehr Konsolenfan und KISS-überzeugt), aber die alten Vorurteile gelten für mich größtenteils nicht mehr.
Auf und davon
Wer mich die nächsten acht Tage zu erreichen versucht, wird sich gedulden müssen: ich verbringe die letzte Woche der Semesterferien in Hurghada (Ägypten) - der erste richtige Urlaub seit gut fünf Jahren
Seeya!
Walking in the rain
So ein richtiger Weltuntergangs-Wolkenbruch (gern auch mit Gewitter) am Nachmittag nach einem schwülen Tag ist doch immer wieder ein Genuss! Er erinnert einen daran, dass wir trotz allen technologischen Fortschritts die Natur (naja, das Wetter jedenfalls) immer noch nicht im Stande sind, zu beherrschen, und wirkt der Eintönigkeit der (wettertechnischen) Perfektion entgegen. Außerdem fällt Regen auf jeden gleich...

